Vom 19. bis 26. Mai 2018

Nürnberg als Sprungbrett

Als Nummer 89 der Welt gewinnt die Qualifikantin Kiki Bertens das WTA-Turnier in Nürnberg. Anschließend bezwingt sie in Paris noch Kerber, Keys und Bacsinszky – und schafft es bis ins Halbfinale der French Open. Bertens ist nicht die erste Spielerin, die in Nürnberg durchgestartet ist.

Julia Görges hat es als erste verstanden: “Sind wir doch mal ehrlich”, sagte sie. “So ein Finale zeigt doch nur, dass die Weltranglistenposition nicht mehr viel aussagt und wirklich jede den Titel holen kann.” Görges hatte gerade das Halbfinale des NÜRNBERGER Versicherungscups 2016 verloren, gegen eine Qualifikantin. Kiki Bertens heißt die 24-jährige Niederländerin, die als Nummer 89 der Welt plötzlich so einen Titel geholt hat, den zweiten ihrer Karriere, nach vierjähriger Durststrecke. Und die dann, mit diesem Schub fürs Selbstvertrauen, direkt in den folgenden zwei Wochen bis ins Halbfinale der French Open weitergestürmt ist.

Dabei wäre der Ausflug nach Nürnberg für Bertens bereits nach dem Achtelfinale eine Erfolgsgeschichte gewesen. 6:4 und 7:6 gewann sie auf dem Center Court am Valznerweiher, immerhin gegen Roberta Vinci: US-Open-Finalistin, Sandplatzspezialistin, Nummer sieben der Welt. Eine Top-Ten-Spielerin hatte Bertens bis dahin noch nie bezwungen. Ein paar Tage später erkannte Bertens: “Für mich läuft es das ganze Jahr schon recht gut”, sagte sie vor dem Finale gegen die zähe Kolumbianerin Mariana Duque-Mariño und erinnert sich dabei auch an ihre Einsätze im Fed Cup, als sie gegen Russland und Spanien je zwei Punkte für die Niederlande holte. “Und diese Woche beim NÜRNBERGER Versicherungscup ist nochmal eine Steigerung: Erst der Sieg gegen Roberta, jetzt Endspiel im Einzel und Doppel.”

Zwei Tage später reiste Bertens mit zwei Trophäen vom NÜRNBERGER Versicherungscup im Gepäck nach Paris. “Müssen wir uns Sorgen um Angelique Kerber machen”, fragte ein Journalist Bertens nach der Siegerehrung. Immerhin gehe sie jetzt ja mit viel Selbstvertrauen in ihr French-Open-Auftaktmatch gegen die deutsche Grand-Slam-Siegerin. “Ach, das ist natürlich ein ganz schweres Los für mich, mal schauen, ob ich nach dieser Woche nicht vielleicht auch etwas müde werde”, sagte Bertens da noch. Und dann bezwang sie nach Kerber (WTA 3) noch unter anderem Madison Keys (WTA 17) und Timea Bacsinszky (WTA 9). Es brauchte Serena Williams, um der Siegesserie der Niederländerin im Halbfinale der French Open ein Ende zu bereiten.
Im vierten Jahr ist klar: Der NÜRNBERGER Versicherungscup taugt offenbar als Karriere-Sprungbrett. 2013 gewann hier Simona Halep ihr erstes WTA-Turnier, etwas mehr als ein Jahr später war sie bereits die Nummer zwei der Welt. Auch Eugenie Bouchard gab in Nürnberg ihr Debüt als WTA-Titelträgerin, sie rauschte noch im selben Jahr bis auf WTA-Rang 5 nach oben. Und jetzt die Siegesserie von Bertens. Die Zuschauer in Nürnberg wissen gutes Tennis zu schätzen, auch wenn sie weiter trotz reger Beteiligung auf eine deutsche Siegerin warten müssen.

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