Weltklasse-Damentennis vom 20. bis 27.Mai 2017

Tennisprofi – aber wie?

Michael Berrer im Interview: Was Eltern bei der Karriereplanung ihrer Kinder beachten sollten.

Michael Berrer (36) war von 1999 bis 2016 als Tennisprofi aktiv. Im Jahr 2010 erreichte der Stuttgarter mit Position 42 seine höchste ATP-Platzierung. An der Seite von Rainer Schüttler gewann er 2008 die Doppelkonkurrenz der BMW Open. Darüber hinaus trug er sich bei 11 Challenger-Turnieren in die Siegerliste ein. Seine sportliche Karriere beendete der 2-fache Vater im Dezember 2016 mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

Herr Berrer, wie schwer ist Ihnen der Abschied vom Profitennis gefallen?

Der Abschied ist mir gar nicht schwer gefallen. Das war ein Prozess, der sich über das gesamte Jahr 2016 erstreckt hat. Meine Motivation war, mich für die Olympischen Spiele in Rio zu qualifizieren. Das habe ich leider nicht geschafft. Im Zeitraum Juli/August spürte ich dann, dass es reicht. Das Feuer war einfach weg. Auch mit Blick auf meine beiden Kinder, sie sind jetzt 2 und 5 Jahre alt, war die Entscheidung richtig. Sie brauchen einen geregelten Tagesablauf und beide Elternteile in der Nähe.

Während Ihrer Profikarriere haben Sie Psychologie studiert. Was hat Sie zu diesem Schritt veranlasst?

Über die ATP gab es die Möglichkeit, sich für ein Full Scholarship an der University of Phoenix zu bewerben. Das habe ich 2010 genutzt, also zu dem Zeitpunkt, als ich mein höchstes Ranking erreicht hatte. Meine Initiativbewerbung für den Studiengang Psychologie wurde sofort angenommen. Nun stehe ich kurz davor, meinen Master-Abschluss zu erhalten. Das Schöne ist, dass dieser auch in Deutschland anerkannt wird. Während der Tenniskarriere verdient man gutes Geld. Aber man erkennt auch, dass es im Leben nicht immer nur um Geld geht. Es ist wichtig, eine Aufgabe zu haben. Für mich wäre es undenkbar, mit 36 Jahren zu Hause zu sitzen und nichts zu tun. Das könnte ich auch vor meinen Kindern nicht vertreten.

Den Übergang vom Profitennis in das Berufsleben gestalten Sie sehr strukturiert. Seit Kurzem fungieren Sie auch als Berater des Deutschen Tennis Bundes. Wie haben Sie sich gedanklich und praktisch auf diese neue Lebensphase vorbereitet?

Das war ein langwieriger Prozess der Vorarbeit. Ich bin froh, viel Energie darauf verwendet zu haben. Denn jetzt habe ich die Freiheit, verschiedene Richtungen zu testen und den für mich besten Weg zu finden. Den Deutschen Tennis Bund berate ich in Bezug auf die Akquise und die Bindung von Sponsoren. Beim Württembergischen Tennis-Bund möchte ich meine Erfahrungen aus 17 Jahren Hochleistungssport und das im Studium erworbene Wissen einbringen. Präsident Ulrich Lange und Cheftrainer Michael Wennagel haben Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. Gerne würde ich auch andere Bereiche ausprobieren, etwa an der Seite von Matthias Stach oder Elmar Paulke moderieren und exklusive Einblicke in die Tennisszene geben.