Weltklasse Damentennis vom 19. bis 26. Mai 2018

UMGANG MIT VERLETZUNGEN

Herr Dr. Kinateder, welche Verletzungsrisiken bringt der Wechsel in die Halle mit sich?

Dr. Tim Kinateder: Durch die veränderten Laufbedingungen auf einem Hallenboden kommt es im Vergleich zur Freiluftsaison vermehrt zu Verletzungen der unteren Extremität. Im Vordergrund stehen hier muskuläre Probleme wie Zerrungen oder Muskelfaserrisse und insbesondere Kapsel-Bandverletzungen. Speziell stumpfe Hallenböden erhöhen das Risiko des „Umknickens“ im Sprunggelenk, wodurch gehäuft Bänderdehnungen und Bänderrisse des oberen Sprunggelenkes auftreten. Zudem tragen auch die niedrigen Hallentemperaturen zu einem erhöhten Verletzungsrisiko bei.

Was kann man tun, um Muskel- und Bänderverletzungen vorzubeugen?

Dr. Tim Kinateder: Gerade muskuläre Verletzungen lassen sich durch ein intensives Aufwärmprogramm zuverlässig verhindern. Hierzu sollte sich auch ein Hobbyspieler vor seiner Winter-Abo-Stunde mindestens 15 bis 20 Minuten Zeit nehmen, um die Muskulatur entsprechend aufzuwärmen und zu dehnen. Langfristig hilft ein koordinatives und stabilisierendes Krafttraining, um die Verletzungsgefahr im Allgemeinen zu reduzieren.

Wenn es dann doch passiert ist: Wie sollten die ersten Notfallmaßnahmen aussehen?

Dr. Tim Kinateder: Die wichtigste Akutmaßnahme ist das sofortige Anlegen eines kühlenden Kompressionsverbandes. Je nach Schwere der Verletzung ist auch die Schonung der Muskulatur oder die Entlastung des betroffenen Gelenkes durch Gehstützen sinnvoll. Im weiteren Verlauf sollten abschwellende Maßnahmen erfolgen, idealerweise unterstützt durch Lymphdrainagen.

Im Winter lauern aber noch andere Gefahren: Was empfehlen Sie, um sich vor Erkältungen zu schützen?

Dr. Tim Kinateder: Grundsätzlich ist ein gesunder Lebenswandel mit entsprechender Ernährung und ausreichend Bewegung sowie Schlaf nützlich, um Erkältungen vorzubeugen. Eine Stärkung des Immunsystems wird auch mit Wechselbädern und Saunagängen erreicht. Überheizte Räume führen zur Austrocknung der Schleimhäute im Nasen-Rachenraum, wodurch die körpereigene Abwehr geschwächt wird. Aus diesem Grund sollte immer auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Natürlich sollte der Kontakt mit erkälteten Personen vermieden werden und auf Händehygiene geachtet werden, um Tröpfcheninfektionen zu verhindern. Und so banal es klingt, eine adäquate Wärmebekleidung aus Funktionsmaterial sowie Kopfbedeckung schützen vor Auskühlung und Infekten.

Darf man aus ärztlicher Sicht mit einer Erkältung überhaupt Tennis spielen?

Dr. Tim Kinateder: Es ist durchaus vorstellbar, dass man bei leichten Erkältungssymptomen angemessen Sport treibt. Leichtes Schwitzen und regenerative Sportaktivitäten sind dann in Ordnung, grenzwertige Belastungen sind natürlich zu vermeiden. Bei Halsschmerzen oder gar Fieber sollte auf keinen Fall Sport getrieben werden, da dies nur zu einer weiteren Schwächung des Immunsystems und einer Verschleppung der Krankheit führt. Es gilt also, die Signale des Körpers zu erkennen und zu respektieren: Fühlt man sich krank und schlapp, macht es keinen Sinn, den Körper noch zusätzliche Belastungen auszusetzen.

Bild: Dr. Tim Kinateder ist Arzt des deutschen Davis Cup-Teams und Verbandsarzt des Bayerischen Tennis Verband e.V. (Foto: DTB).

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